Montag, 31. Oktober 2011

Serie Teil 3 Der Minijob-Sumpf, Beim Versicherungsmakler

Beim Versicherungsmakler

Im Sommer fand ich eine kleine Anzeige in einem kostenlosen Anzeigenblatt, wo eine Versicherungsmakler eine Minijobberin für längerfristig für das Büro suchte. Ich recherchierte die richtige Mailadresse (die war falsch geschrieben worden) und meldete mich bei dem Herrn. Er rief eines Abends ziemlich spät an und vereinbarte einen Termin am Vormittag. Als ich mit dem Fahrrad dorthin kam, war am Haus ein Firmenschild zu sehen. Stattdessen stand ein älterer, schlanker Mann in rotem T-Shirt und sehr kleinen, glänzenden, weißen Boxershorts vor dem Haus und starrte mich an. Ich fragte, ob der Versicherungsmakler K. dort wohnen würde. Er meinte, er sei derselbe. Irritiert aufgrund seiner Kleidung ging ich mit in sein Büro, das in seiner Wohnung untergebracht ist. Er fragte mich zunächst nach meinem Sternzeichen und danach, ob ich verheiratet sei und lästerte ziemlich über eine Studentin, die nichts richtig gemacht habe. Dann ging es darum, ob ich auf Rechnung für ihn arbeiten könne. Er fand das gut, aber er sagte: "Die Mehrwertsteuer lassen wir weg", obwohl ich Umsatzsteuer erheben muss. 10 Euro die Stunde. Er wolle sich wieder melden. Ich ließ mir schriftlich bestätigen, dass diese "Probearbeit" (das Wort ist eine Erfindung und ein Pseudonym für nicht angemeldete, nicht bezahlte Arbeit) bezahlt werden würde. An einem Vormittag kam
ich zu ihm in sein Büro. Wieder hatte er das rote T-Shirt und diese kleinen, weißen Boxershorts an. Ich sollte seine E-Mails beantworten und durchgehen, wobei er diktierte. Danach sollte ich Versicherungsangebote von diversen Versicherungen - also Policen - prüfen und das Wichtigste per Hand auf Blätter schreiben. Er wollte wohl Druckertinte sparen. Danach ging er walken und ließ mich alleine in seiner Wohnung. Ich kontrollierte sämtliche Policen und schrieb alles heraus, was wichtig war. Schadenssumme, Selbstbeteiligung, Kosten der Police usw. Dann klingelte es an der Türe und ein Mann wollte zu Herrn K. Ich notierte mir seinen Namen und die Uhrzeit und sagte, dass Herr K. nicht da sei. Nach ca. 1,5-2 Stunden kam Herr K. zurück und duschte gegenüber des Büros bei offenen Türen, was ich als äußerst bedrohlich und unangenehm befand. Ich wusste nicht, ob er mir gleich nackt gegenüber tritt oder mich vergewaltigt oder dergleichen. Ich wusste nur, dass ich sofort flüchte, falls er nackt ins Büro kommt. Er kam nach dem Duschen wieder in das Büro, in kurzen Hosen und kurzem Hemd, und wollte die Ergebnisse wissen und meine Meinung, welche Versicherung die beste sei. Da ich nicht alles auf einem Blatt hatte, musste ich alles erneut abschreiben. Herr K. setzte sich an einen Laptop in meiner Nähe und startete den Rechner mit einem Bildschirmschoner, wo ein Frauenpo in weißem Höschen abgebildet war. Ich fand das ebenfalls sehr unangenehm. Nach drei Stunden ging ich. In den Mails hatte ich übrigens im Beisein von Herrn K. gelesen, dass sich eine Interessentin für den Job fast schon pikiert abwandte und von einer Zusammenarbeit absehen wollte. Und ich wusste, dass eine andere Dame am selben Tag um 18.30 Uhr für ihn arbeiten sollte. Danach hörte ich länger nichts von Herrn K., schickte ihm aber meine Rechnung. Darauf reagierte er nie. Stattdessen inserierte er wieder und teilte mir per Mail mit, dass ich gerne zum Arbeiten wieder kommen könne. Ich aber meinte, dass er erst seine Rechnung bezahlen müsse.

Auf das Geld warte ich bis heute.

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