Seit dem Desaster in der Finanzkrise ist es schwer, im Journalismus Geld zu verdienen. Seit 2009 melde ich mich auf Stellenanzeigen für Minijobs oder Nebenjobs. Dies ist der erste Teil eines Erfahrungsberichtes über die Fallen im Minijob-Sumpf. Und gleichzeitig eine unfreiwillige Recherche in Sachen Ausbeutung.
Der Messe-Job
Ich meldete mich am ... Oktober auf eine Anzeige im ...
vom ... Oktober per SMS. In der Anzeige stand
folgender Text: 500,- Euro in
bar Job Messetätigkeit. in ...
vom 22.-30.10.11. Bewerbung/Info per SMS
Tel. .....
Mein Text lautete: Hallo, habe Messeerfahrung, ein ansprechendes
Äußeres
und spreche Schweizerdeutsch. Kann auch als Selbständige eine Rechnung
stellen.
Mit freundlichen Grüßen,...
Am ...
Oktober rief mich um 13.08 einen Herr XY an
von einem Anschluss
mit der Nummer ...... Er würde
angeblich von einem PC aus anrufen.
Es ginge bei der Messe um
den Verkauf von Farbstiften für Kinder. Zur Messe käme ich mit eigenem Fahrzeug,
wobei 50% der Fahrtkosten ersetzt würden oder er würde mir einen
Renault leihen und wenn ich beim Aufbau helfe, dann müsse ich
nichts draufzahlen. Fahrtzeit ca. 1,5-2 Stunden.
Übernachtungszuschuss
35 Euro.
Er bat um ein Treffen am selben Tag
bei McDonalds in ...Er habe zwar
ein
Büro in der ...Straße, aber er habe eine neue Küche bestellt
usw. Als ich dort mit dem
Fahrrad ankam, stand ein weißer
Transporter direkt neben dem Eingang. Ein Mann saß darin. Ich vermutete den
besagten Mann dahinter. Ich ging hinein. Er auch. Er suchte sich die
Ecke aus, wo auch die Kinder spielen können. Er hatte
die Statur eines Bodybuilders oder Türstehers, trug ein helles blaues
Shirt,hat blaue Augen, mittelblondes Haar, hessischer Akzent
und auf dem rechten Oberarm einen tättowierten Anker. Er holte
etwas zu essen und wollte dann, dass ich mit den Malsets und den
Zaubermalstiften
male und instruierte mich wie bei einer
Gehirnwäsche, was ich stereotyp vor mich hinsagen musste. Dazu legte er mir auch eine schriftliche
Anleitung hin.
Ich sollte mitten im McDonalds
üben und vor mich hinreden und malen, wie beim Verkauf.
Dann
sprachen uns zwei Männer an, die er zu kennen schien. Mir kam das
abgekartet vor.
Dann zeigte er mir eine
Nachricht eines italienischen Herstellers der Zauberstifte. Und er rief
einen Herrn ..... an von der Firma .... Der
würde zu einem Vortrag fahren am anderen Tag und ich solle dahin. Er würde ja so gerne, aber er müsse zur
Messe. Es ginge um Telekommunikation. Als ich fragte, was
das sei, meinte er es ginge um die Vermittlung von Kunden. Er
malte Kreise und Striche auf ein Papier. Ich fragte, ob das ein
Schneeballsystem sei. Er verneinte. Ich musste mit Herrn ... sprechen. Ich habe mich hinreißen lassen, ihm zu sagen, dass
ich am anderen Tag mitfahren würde.
Nach
geschlagenen drei Stunden war diese Malübung beendet. Dann packte Herr XY Malstifte in eine Tüte und gab mir die
Aufforderung, dass ich am Abend üben soll, damit es am Wochenende
weniger Probleme gäbe.
Zuhause sagte
ich per SMS den Termin mit diesem mir total unbekannten Herrn ... ab. Ich wusste ja nicht, worum es genau ging,
geschweige denn, wo der mich
hinbringt.
SMS von Herrn XY vom 20. Oktober
Schade, ich wäre so
gern hin. Wollen und können Sie mir beim Aufbau helfen? Ist immer eine
Erleichterung, wenn
man zu zweit ist. Klar, mit Bezahlung. Gruß, XY
Im
Gespräch bei McDonalds hatte mir Herr XY gesagt, dass das nichts
für ihn sei. Diese Telekommunikationssache.
Und
mir dämmerte, dass ich nichts in der Hand hatte. Keinen Vertrag für die
Messetätigkeit, keine genaue Zusage des Honorars, es war
nicht abgesprochen, wann man sich wie trifft. Nichts.
Am 21.
Oktober rief Herr XY um 9.51 Uhr an.
Am
21. Oktober rief Herr XY um 18.29 Uhr an.
Am
21. Oktober schrieb mir Herr XY eine SMS, die mich
entsetzte:
Hallo
Frau .... würde sie morgen gegen 8 Uhr bei Ihnen abholen. Ist das ok?
Gruß,XY
Er
wusste von mir nur meinen Vor- und Zunamen, nicht aber meine Adresse !
Als er mir sein Smartphone zeigte, stand da
mein Name mit akademischen Titel. Auch den konnte er nicht von mir
kennen.
Ich
schrieb ihm zurück:
Tut mir Leid, ohne Vertrag geht das nicht.
Woher haben Sie meine Adresse? Ich sehe von einer Zusammenarbeit ab.
Er
antwortete mit einem Anruf um 18.31 Uhr.
Danach
kam folgendes SMS:
UPS? Frau ...??? Das kann ich jetzt nicht
Glauben! Sie bringen ich in ernsthafte Schwierigkeiten!!! Ihre Adresse habe ich von der Zeitung, hatte mir sorgen gemacht, das ihnen etwas passiert ist! Ich bin
mehr als entäuscht von Ihnen. Als Frau und Person! Was man sät das erntet man! So geht das
nicht, sie haben mich also vorsätzlich betrogen!
Ich
wählte die 110. Weiter trudelten SMS-Meldungen
von Herrn XY ein. Ich erzählte der Polizei unter
dem Notruf und dann auch dem Herrn von der Zentrale alles. Er empfahl
mir eine Anzeige und dass ich das Handy ausschalte. Und falls der Mann
morgens vor dem Haus stünde, solle ich die 110 wählen.
Weitere
SMS von Herrn XY im
Anschluss:
Ich habe übrigens mit meinem iPhone ein
nettes Foto von ihnen gemacht wie sie im McDonald für die Messe üben,
wollte ich ihnen eh ausdrücken, da können sie mich
nicht auch noch belügen, ich möchte den Schaden von Ihnen ersetzt
bekommen, mindestens die malsets! Einer Person wie ihnen Schenke
ich nichts, das war Arbeitsmittel für die Messe!!!
Dieser
Teil war für mich der größte Schock. Er hatte also mein
Persönlichkeitsrecht verletzt und mich hinterlistig fotografiert. Was der
Mann mit dem oder den Fotos macht, weiß ich nicht.
Frau ..., entweder wir reden vernünftig, oder ich gebe Nachrichten, SMS und Fotos meinem Anwalt,
der sich bei ihnen meldet.
Sie sind echt eine sehr arme Frau.
SMS
vom ... Oktober um 7.35 Uhr:
So Frau ... vergessen sie alles was ich
geschrieben habe, ich vergebe ihnen, die Stifte Schenke ich ihnen, und freue mich das sie und ich Spaß beim lernen
hatten. Mit freundlichen Grüßen, XY
Während
der Malsache bei McDonalds rief übrigens angeblich ein Interessent für
den Job aus .... an. Nur verwunderte mich, dass XY meinte, er solle ihm eine Mail senden. In der Anzeige stand keine
Mailadresse
!
Nachtrag: Durch Zufall erzählte mir eine Dame, dass sie auf einer Messe gewesen sei, wo ihre Freundin einen Stand gehabt hätte - direkt neben einer jungen Frau mit Stiften und Schablonen. Diese junge Frau habe gesagt, dass das Wochenende gut gewesen sei und dass sie hoffe, dass unter der Woche nicht nur Rentner kämen. Doch nach 3-4 Tagen sei der Stand kurzfristig unbesetzt gewesen und diese Frau "verschwunden."
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen